
Das Wiener Geflecht…
…und warum wir (überwiegend) Cotton-Flechtband verwenden
„Wiener Geflecht“ ist das lochmusterartige Geflecht, was wir von den (Wiener) Kaffeehausstühlen aus dem 19. Jahrhundert kennen. Da diese zu der Zeit massenweise in den Wiener Kaffeehäusern eingesetzt wurden, hatte das Geflecht seinen Namen weg. Aber auch in den gutbürgerlichen Häusern des Biedermeier waren viele Stühle mit dem Geflecht versehen. Das erste Geflecht in der Art gab es schon im späten 18. Jahrhundert – natürlich aus Wiener Herstellung.
Peddigrohr
Das Geflecht besteht traditionell aus Peddigrohrsträngen aus dem Stamm der Rotang- oder Rattanpalme. Diese Pflanzen wachsen sehr schnell und gelten daher als sehr nachhaltiges Material im Möbelbau. Die Pflanze selbst ist kein Baum, sondern eine stachelige Kletterpalme, sie sich wie eine Liane an den Bäumen heraufwindet. Entsprechend schwer gestaltet sich die Ernte, da sie teilweise aus sehr, sehr hohen Baumwipfeln nach unten gezogen werden muss. Zudem hat diese Palmenart Stachel und Blätter, die noch vor Ort geschält werden. Wie man sich denken kann, wird diese Arbeit nicht unbedingt gut entlohnt. Es gibt zwar Bestrebungen, dies zu ändern, aber natürlich gilt das wie immer nicht für alle, die mit Peddigrohr Geld verdienen müssen.
Seit einigen Jahren gibt es strenge Ausfuhrbeschränkungen für das rohe und halbverarbeitete Rattan. Indonesien (zu ca. 90% kommt der Rohstoff aus diesem Land) möchte damit die Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Land sichern. Was ja grundsätzlich gut ist. Das macht es aber für alle, die mit dem Rohstoff handeln und/oder arbeiten, sehr schwierig, an gutes Material zu kommen. Leider ist es auch uns schon öfter passiert, dass wir minderwertiges Material erhalten haben und beim Flechten der Stühle schier verzweifelt sind. Das gute Material ist – eben aufgrund oben angesprochener Tatsachen – sehr teuer geworden. Wir möchten natürlich nur legal importiertes, unter fairen Bedingungen geerntetes und ökologisch einwandfrei behandeltes Rattan für unsere Stühle verwenden. Deshalb kaufen wir es (in bester Qualität, die nicht so einfach zu finden ist) nur dann, wenn wir ein Möbelstück von besonderer historischer Bedeutung aufarbeiten.
Cotton-Flechtband
Auf der Suche nach einer Alternative sind wir dann auf das Cotton-Flechtband gestoßen. Dieses ist gerade wegen der Knappheit an gutem Rohmaterial in Europa entwickelt worden und wird auch hier hergestellt. Klar, durch die Baumwolle (braucht viel Wasser, die Arbeit ist auch nicht zu unterschätzen, Löhne ebenfalls gering) und den zur Stabilität eingearbeiteten Aramith-Faden (also leider Chemie – Phenolharz, wie es auch für Billiard-Kugeln verwendet wird) ist das auch nicht der Gipfel der Nachhaltigkeit. Das Cotton-Flechtband bietet dennoch einige Vorteile, die die ökologischen Nachteile u.E. nach fast komplett ausgleichen: Zum einen wird es in Deutschland (Europa) hergestellt, wodurch lange Transportwege entfallen und faire Löhne gezahlt werden. Zum anderen lässt es sich leichter verarbeiten, es bricht nicht und hält wesentlich länger als das natürliche Rattan.
Selbstverständlich sollte auch ein Stuhl mit Cotton-Flechtband nicht unsachgemäß behandelt oder übermäßig belastet werden – für den normalen Gebrauch ist dieses Material dennoch die (derzeit) beste Wahl!
